Mitarbeitermobilität neu denken...
Nachhaltigkeit im Unternehmen? Da denken viele zuerst an Ökostrom, weniger Papier oder richtig getrennten Müll. Alles wichtig. Aber ein Bereich wird schnell unterschätzt: der tägliche Weg zur Arbeit.
Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, häufiger das Fahrrad, Bus und Bahn oder ein Elektrofahrzeug zu nutzen? Welche Angebote funktionieren wirklich? Und wie schafft man Veränderung, ohne den nächsten Maßnahmenkatalog zu produzieren, der anschließend in der Schublade verschwindet?
Genau darum ging es beim Workshop zum Betrieblichen Mobilitätsmanagement des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!. Unsere Kollegin Anna war für Werbewind dabei und hat jede Menge Denkanstöße mit zurück in die Agentur gebracht.
Nachhaltige Mobilität beginnt nicht mit Verzicht
Betriebliches Mobilitätsmanagement klingt erst einmal ziemlich sperrig. Gemeint ist aber etwas sehr Konkretes: Unternehmen schauen sich an, wie Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden, Waren oder Dienstreisende unterwegs sind – und wo sich Wege vermeiden, verlagern oder umweltfreundlicher gestalten lassen.
Dabei geht es nicht darum, das Auto grundsätzlich zu verbannen. Es geht darum, echte Alternativen zu schaffen. Denn wer mit dem Fahrrad kommen soll, braucht einen sicheren Stellplatz. Wer Bus und Bahn nutzen möchte, braucht passende Verbindungen. Und wer elektrisch fährt, sollte sein Fahrzeug möglichst unkompliziert laden können.
Eigentlich logisch. Trotzdem scheitert nachhaltige Mobilität im Alltag häufig genau an solchen Kleinigkeiten.
Erst verstehen. Dann losfahren.
Der Workshop hat deutlich gemacht: Die eine perfekte Mobilitätslösung für jedes Unternehmen gibt es nicht. Während für manche Mitarbeitende das Fahrrad eine echte Alternative ist, sind andere aufgrund ihres Wohnorts oder ihrer Arbeitszeiten weiterhin auf das Auto angewiesen.
Deshalb steht am Anfang keine fertige Maßnahme, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wie kommen die Mitarbeitenden aktuell zur Arbeit? Welche Alternativen wären grundsätzlich möglich? Wo liegen die tatsächlichen Hürden?
Darauf aufbauend können Ziele definiert, Maßnahmen priorisiert und Schritt für Schritt umgesetzt werden. Auch die spätere Auswertung gehört dazu: Was wird angenommen? Was bringt wirklich etwas? Und wo müssen Angebote noch einmal angepasst werden?
Das sind gute Voraussetzungen. Fertig sind wir damit aber noch lange nicht.
Im Workshop entstanden weitere Ideen: mehr sichere und überdachte Fahrradstellplätze, Ladepunkte für E-Bikes, Kooperationen mit Fahrradwerkstätten oder gemeinsame Aktionen wie das Stadtradeln. Auch kleine Belohnungen, Mobilitätstage oder gebrandete Allwetterausrüstung können dabei helfen, den Umstieg attraktiver zu machen.
Der entscheidende Punkt dabei: Eine Maßnahme allein verändert noch keine Gewohnheit. Es braucht gute Rahmenbedingungen, regelmäßige Motivation und Menschen, die mitmachen.
Gemeinsam statt allein unterwegs
Auch Fahrgemeinschaften waren ein Thema. Denn viele Autos sind auf dem Arbeitsweg mit genau einer Person besetzt. Dabei wohnen Kolleginnen und Kollegen manchmal näher beieinander, als sie denken.
Ein freiwilliger Austausch über Wohnorte, interne Mitfahrbörsen oder gemeinsam genutzte Firmenfahrzeuge könnten dabei helfen, passende Fahrgemeinschaften zusammenzubringen. Gerade dort, wo Bus und Bahn keine praktikable Alternative sind, lässt sich so trotzdem Verkehr reduzieren.
Volle Ladung neue Ideen
Unser Fuhrpark besteht bereits vollständig aus Elektrofahrzeugen. Trotzdem gab es auch in diesem Bereich neue Denkanstöße. Dazu gehören zusätzliche Lademöglichkeiten, reservierte Stellplätze für E-Fahrzeuge oder die Idee, elektrische Firmenfahrzeuge am Wochenende Mitarbeitenden zur Verfügung zu stellen.
Andere Unternehmen berichteten im Workshop außerdem von kostenlosem Laden, elektrischen Poolfahrzeugen und Beratungsangeboten für Mitarbeitende, die über den Kauf eines E-Autos nachdenken.
Learning
Nicht jede Idee passt automatisch zu Werbewind. Aber genau das ist der Wert solcher Workshops: zuhören, Erfahrungen austauschen und anschließend überlegen, was für das eigene Unternehmen wirklich sinnvoll ist.
Und was ist mit Bus und Bahn?
Auch der öffentliche Nahverkehr gehört zu einem ganzheitlichen Mobilitätskonzept. Diskutiert wurden beispielsweise bezuschusste Jobtickets, individuell aufbereitete Bus- und Bahnverbindungen oder eine bessere Vernetzung benachbarter Unternehmen.
Gerade im ländlich geprägten Allgäu zeigt sich allerdings schnell: Gute Absichten allein reichen nicht aus, wenn Arbeitszeiten und Fahrpläne nicht zusammenpassen oder die nächste Haltestelle zu weit entfernt ist. Umso wichtiger sind Lösungen, die sich an den tatsächlichen Wegen der Mitarbeitenden orientieren.
Kleine Schritte. Echte Bewegung.
Unser wichtigstes Learning aus dem Workshop: Nachhaltige Mobilität muss nicht mit dem perfekten Gesamtkonzept beginnen. Häufig ist der beste Einstieg eine kleine Maßnahme, die schnell umsetzbar ist und im Alltag tatsächlich genutzt wird.
Ein zusätzlicher Fahrradständer. Eine interne Abfrage zu Fahrgemeinschaften. Informationen zu Busverbindungen. Eine gemeinsame Fahrradaktion. Entscheidend ist, überhaupt anzufangen, Erfahrungen zu sammeln und anschließend weiterzugehen.
Fazit
Genau das nehmen wir aus dem eza!-Workshop mit. Einige Voraussetzungen haben wir bereits geschaffen. Weitere Ideen werden wir in unserem Green Team prüfen und gemeinsam weiterentwickeln.
Denn Nachhaltigkeit ist für uns kein Projekt mit festem Enddatum. Sie ist ein Weg. Und den gehen wir geradeaus. gemeinsam. Schritt für Schritt.

